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Andacht für Zuhause

Hauspostille zum aktuellen Sonntag

Ein Gruß an alle, die von den Umständen mit dem Corona-Virus jetzt zur Vereinzelung gezwungen sind. Eine Hauspostille ist ein Andachtsbuch, das uns verbinden soll, den Gottesdienst am Sonntag - aus welchen Gründen auch immer - zuhause und in der Hausgemeinschaft feiern zu können, den Feiertag zu heiligen und der Woche eine Struktur zu geben. Sei es, dass die Kirche zu weit wegist, der Weg durch das Alter zu mühsam ist oder es verboten ist, den eigenen Glauben öffentlich zu leben, ja oder - wie jetzt -das Eindämmen einer Krankheit uns voneinander isoliert: Wir wollen uns trotzdem zusammenfinden.
Denn jeder Gottesdienst reißt den Horizont über uns auf, der weiter ist als unsere jetzige Situation und Enge. Er stellt uns in den umfassenden Zusammenhang Gottes, der immer schon da ist, auch wenn wir in unserer Vereinzelung auf uns selbst geworfen sind. Es ist die ganze Wirklichkeit über Raum und Zeit, mit der Gott uns verbindet: Mit all denen, auf deren Spuren wir heute glauben und leben, hoffen und lieben. So können unsere Befürchtungen und Ängste, unser Fragen und unsere Zweifel Raum haben, und sich trotzdem einordnen: Weil wir nicht losgelöst sind, sondern
verbunden sind. Dem lasst uns gemeinsam nachspüren:

Hier kann die Hauspostille auch als pdf runtergeladen werden:
-> als Heftfaltung
-> als fortlaufender Text

Wenn Sie sie als E-mail erhalten möchten, geben Sie uns gerne Bescheid: neuburg@elkm.de

 

 

Andacht zum Sonntag Judika, dem 29. März 2020

Wir machen uns in der geglaubten Gemeinschaft und der Gemeinschaft im Haus auf den Weg:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde
gemacht hat. Amen.

Der heutige 5. Sonntag in der Passionszeit im Kirchenjahr hat traditionell den Namen Judika, das heißt Richte mich, Gott in der Bedeutung von Schaffe mir Recht, Gott!, nach dem Leitvers des
Psalms (Psalm 43,1).
Mit diesem Sonntag beginnt die Passionszeit im engeren Sinne. Wie immer wenn harte Zeiten vor uns liegen, brauchen wir den Ausblick über diese Zeit hinaus und eine Deutung und Einordnung, warum wir da durch müssen. So sagt Jesus uns im Wochenspruch: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele. (Mt 20,28)
Leben ist das Ziel, entgrenztes Leben für uns ist das Recht, das Gott uns schafft. Auf dieses Licht des Lebens wollen wir jetzt miteinander schauen.


Einstimmung: (Psalm 43,1-2a & Ps 43,1b.2b-4a, Kyrie und Gebet)

Schaffe mir Recht, o Gott, und errette mich! ∗
Denn du bist der Gott meiner Stärke.
Führe meine Sache wider das unheilige Volk, ∗
und errette mich von den falschen und bösen Leuten!
Warum muß ich so traurig gehen, ∗
wenn mein Feind mich dränget?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten ∗
und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,
dass ich hineingehe zum Altar Gottes, ∗
zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist.
Schaffe mir Recht, o Gott, und errette mich! ∗
Denn du bist der Gott meiner Stärke.
Amen.

Wir richten uns auf den Herrn Jesus Christus aus und begrüßen
ihn mit den alten Worten, in denen sich das Bekenntnis zu Jesus
Christus mit dem Protest gegen alle anderen Herren der Welt
verbindet und das uns über die Zeiten verbindet:

Kyrie eleison - Herr, erbarme dich
Christe eleison - Christe, erbarme dich
Kyrie eleison - Herr, erbarm dich über uns.

Wir beten in der Stille...
Dein Weg zu uns, Gott, ist Jesu Weg — ein Weg durch die Ungerechtigkeiten und das Leiden dieser Welt hindurch. Hilf uns, diesen Weg zu finden; stärke uns, ihn zu gehen im Heiligen Geist. Amen.

Lesung: Wir hören auf das Evangelium: Markus 10,35-45

Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gingen zu Jesus und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.
Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Ehre sei Dir, Herr,/ Lob sei Dir Christus.

Gedanken zum Predigttext (Hebräer 13,12-14)

Das Evangelium erzählt uns von den Brüdern Jakobus und Johannes und von ihrem Wunsch, ganz groß rauszukommen, jetzt, wo es nach Jerusalem geht, und von dem Ärger der anderen Jünger darüber, der zeigt, dass sie eigentlich ganz ähnliche Pläne für sich selbst hatten. Gesehen werden, das ist ein tiefer Wunsch in uns. Und sei es indirekt, Matthäus (Kapitel 20,20ff) erzählt die Geschichte so, dass die Mutter von Jakobus und Johannes für ihre Söhne fragt, auch da haben wir als Eltern viele Erwartungen. Wachsen, mehr werden, das ist nicht nur das Lebensgesetz draußen, wo jetzt im Frühling die Triebe schießen, das ist auch unser inneres Programm. Und Jesus setzt dagegen den Wochenspruch: Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele - Jesus stellt dagegen ein ganz anderes Prinzip. Letzten Sonntag haben wir entsprechend den Wochenspruch gehört: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht (Joh 12,24).
Sich einzusäen in die Welt. Dienen und sich zu geben. Und immer wieder: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Eigentlich scheint das gegen das Lebensgesetz zu gehen. Mehr werden, ja, aber in einem ganz anderen Rahmen. Nicht auf Kosten anderer, sondern mit einem Blick auf das Ganze, dass nichts und niemand dabei verloren geht: Die Erlösung für viele, die ist biblisch inklusiv gedacht. Die Vielen
stehen hier für alle.
Ich glaube, wir machen in unserer Corona-Virus bedingten social distance, in unserer beinahe Quarantäne, jetzt auch diese Erfahrung, dass wir unsere Bewegungsfreiheit einschränken, damit möglichst niemand verlorengeht. Neben der Vorsicht für uns selbst steht mindestens genauso die Rücksicht für andere. Denn wir spüren jetzt wieder mehr, wie sehr wir zusammen gehören. Und so noch mehr Jesus: Als Sohn, als Verkörperung des EINEN Gottes steht er nicht nur für die Nahestehenden, sondern für alle. Für die Sehnsucht nach Leben, nach Entfaltung, nach mehr. Nur dass wir dies nicht alleine erreichen und nicht
für uns selbst kämpfend, sondern auf dem gemeinsamen Weg als Geschenk der Liebe und Treue des Gottes, der uns sieht und uns Recht schafft inmitten dieser unbegreiflichen Welt.
So ruft uns der Predigttext aus dem Hebräerbrief auf, diesen Weg mit Jesus zu gehen:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Es sind zwei große Bilder aus dem Alten Testament, die der Hebräerbrief vor Augen hat, wenn er uns auf den Weg Jesu ruft und uns zugleich auf unserem Weg begleiten will. Wenn er uns sagen will, dass wir nicht verloren sind in einer Welt, die wir nicht durchschauen und ausgeliefert sind an ein Schicksal, das
für uns unbegreiflich ist. Anhand der Bibel der ersten Christen, anhand dem Alten Testament versucht der Verfasser uns Deutemuster zu geben für die Welt, damit wir uns in ihr wiederfinden. Aber beide Bilder sind uns heute fremd geworden, die wir die Bibel nicht mehr so kennen. Das eine Bild ist das vom Hohenpriester, der für das Volk vor Gott einsteht wie Mose mit Fürbitte und Opfern. Der ein - wie es bei den alten Römern hieß - Pontifex, ein Brückenbauer ist. Ein Titel, den schon Julius Cäsar hatte und den der Papst in Rom bis heute trägt.
Das eine Bild ist der Hohepriester und das andere der Auszug der Kinder Israel aus der Knechtschaft in Ägypten, der Auzug in die Wüste weg von den sprichwörtlichen Fleischtöpfen Ägyptens, von den geordneten Verhältnissen in der Sklaverei, hinein in das Abenteuer Wüste, wo das Leben ständig gefährdet ist, aber wo der Ort ist, Gott zu begegnen.
Auch in der Wüste gab es schon einen Tempel, ein tragbares Heiligtum, das heilige Zelt, die Stiftshütte, die außerhalb des Lagers aufgebaut wurde. Dort traten Mose und Aaron für Israel vor Gott. Das wird zum Bild für Jesus, der für uns draußen bei Gott eintritt: Als der Priester, der zugleich das Opfer ist. Als der Priester, der ein für alle mal alle Opfer ablöst, indem er sich selbst gibt. Draußen, am Kreuz, das damals vor der Stadt Jerusalem stand. Heute ist der Hügel Golgatha in der Grabeskirche schon seit Jahrhunderten von der Stadt überwachsen, damals vor 2000 Jahren lag er noch vor der Stadtmauer. Dieses Draußen meint aber nicht nur die Geografie, sondern auch das Draußen, das Verrat, Verurteilung, Geißelung und Kreuzigung überhaupt bedeuten. Dieses sich aller menschlichen Würde berauben zu lassen und praktisch als ein Stück Fleisch am Kreuz hingehängt, ausgestellt und ausgeliefert zu sein. Das Draußen jenseits aller Sicherheit und Macht, jenseits von jeglicher Hoffnung und Träumen, wie wir sie haben, für die Jakobus und Johannes stehen. Das Kreuz, das all unsere Werte radikal in Frage stellt. - Dieses Kreuz, das auf der anderen Seite nur unser Ausgeliefertsein überhaupt als Lebende vor dem Tod zeigt: Lasst uns zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen - denn wir haben hier keine bleibende Stadt:
Dieses Herausgehen, das ein Hineingehen ist, weil die Bewegung nicht von der Welt sondern in die Welt geht. Von unsern eigenen Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, wie die Welt läuft, wie die Menschen zu leben haben und wie die Zukunft zu verlaufen hat, hin zu dem, wie es wirklich ist. Hin zu dem Elend und der Fülle der Welt, die beide unberechenbar sind, Schönheit und Grausamkeit, und zu erleben, in beidem getragen zu sein. Dass wir die Treue Gottes erleben an dem, wie wir getragen und gerettet sind, genauso wie an dem, wie wir gehalten sind über dem Nichts und nicht ins Bodenlose fallen, sondern in das Leben.
Noch geloben wir uns dem an, das heißt, wir glauben es, auch wenn es aus unserem Blickwinkel alles noch offen ist. Wir geloben uns an auf Gedeih und Verderb an den, wie der Hebräerbrief sagt, Anfänger und Vollender des Glaubens. Zu ihm lasst uns nach draußen gehen, aus der Sicherheit in das
Leben. Amen.

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen

 

Das Lied der Woche: (97 im Gesangbuch)

Innerlich oder auch äußerlich gesungen:

1) Holz auf Jesu Schulter,/ von der Welt verflucht,/ ward zum
Baum des Lebens/ und bringt gute Frucht./ Kyrie eleison,/ sieh,
wohin wir gehn./ Ruf uns aus den Toten,/ lass uns auferstehn.
2) Wollen wir Gott bitten,/ dass auf unsrer Fahrt/ Friede unsre
Herzen/ und die Welt bewahrt./ Kyrie eleison,/ sieh, wohin wir
gehn./ Ruf uns aus den Toten,/ lass uns auferstehn.
3) Denn die Erde klagt uns/ an bei Tag und Nacht./ Doch der
Himmel sagt uns:/ Alles ist vollbracht!/ Kyrie eleison,/ sieh,
wohin wir gehn./ Ruf uns aus den Toten,/ lass uns auferstehn.
4) Wollen wir Gott loben,/ leben aus dem Licht./ Streng ist seine
Güte,/ gnädig sein Gericht./ Kyrie eleison,/ sieh, wohin wir
gehn./ Ruf uns aus den Toten,/ lass uns auferstehn.
5) Denn die Erde jagt uns/ auf den Abgrund zu./ Doch der
Himmel fragt uns:/ Warum zweifelst du?/ Kyrie eleison,/ sieh,
wohin wir gehn./ Ruf uns aus den Toten,/ lass uns auferstehn.
6) Hart auf deiner Schulter/ lag das Kreuz, o Herr,/ ward zum

Gebet

Gott, wie der Psalmbeter, so rufen auch wir:/ Gott, schaffe Recht - wo Gewalt und Krieg das Leben zerstören, wo Habsucht und Machtbesessenheit Leid und Unrecht fördern./ Schaffe Recht denen, die nichts mehr hoffen, denen für die du verborgen bist./ Schaffe Recht zwischen Armen und Reichen, zwischen Unterdrückern und Unterdrückten. Zwischen Ohnmächtigen und Mächtigen./ Gott, schaffe Recht - dass dein Recht unter uns aufleuchtet und deine Wahrheit uns leitet.
Gott unser Vater, wir kommen in unserer Not zu dir, um dich um Schutz vor dem Corona-Virus zu bitten: Wir beten für die Menschen, die das Virus erforschen und gegen seine Verbreitung kämpfen, die auf der Suche nach einer Heilung und einer Lösung der Pandemie sind. Wir beten für die Kranken. Mögen sie bald wieder gesund werden. Wir beten für die Sterbenden, dass du sie in deine Liebe birgst.
Wir rufen Dich an für uns, für unsere Lieben, für unsere Gemeinde, für die Menschen, die uns jetzt vor Augen stehen und für alle Menschen: Nimm Dich unser gnädig an, schaffe uns Recht und und erhalte uns jetzt, und in Ewigkeit.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich
komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere
Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe
uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in
Ewigkeit. Amen.

Segen

Der HERR behüte uns vor allem Übel, er behüte unsere Seele.
Der HERR behüte unseren Ausgang und Eingang von nun an bis
in Ewigkeit. Amen.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Pastor Helmut Gerber

Weitere Texte unter www.kirchengemeinde-neuburg.de